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selber machen

Wednesday, 18. november 2009 3 18 /11 /Nov. /2009 02:35

 

Auf und ab. Hoch.

Und wieder runter.

Die Vielfältigkeit der Farben ist überwältigend. Meine Augen folgen den schillernden bunten Blasen. Ich denke nichts. Ich schaue. Sehe und staune. In meinem Kopf herrscht Windstille. Außer ab und zu ein staunendes „Oh“ oder „Ui“. Sonst bildet sich kein fassbarer Gedanke.

Hinauf – und wieder hinunter.

Das faszinierende Schauspiel zieht mich in seinen Bann. Hält mich gefangen. Ich kann nicht wegsehen. Meine Augen schmerzen. Mein Kopf pocht. Aber der Anblick dieser zerbrechlichen Schönheiten entschädigt mich wieder.

Mein Mund wird trocken.

Ich will diese Kostbarkeiten fangen. Sie schützen. Sie aus der Nähe bewundern. Sie spüren. Sie zerplatzen. Und ich will sehen was übrigbleibt. Sie vernichten. Sie alle zerstören und ihrer  verdammten Herrlichkeit berauben.

 

Aber ich kann nicht. Ich kann mich nicht rühren.

 

Kann mich nicht bewegen.     Nicht rühren.

 

 

Nicht bewegen.

 

 

 

 

Nur schauen.

 

 

Auf und ab.

 

 

 

 

von Nannu
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Sunday, 15. november 2009 7 15 /11 /Nov. /2009 03:08

 

Nein.

 

So hatte ich das sicher nicht gemeint, als ich zu der Mutter sagte sie könne ihr Kind hier bei mir lassen, während sie noch mal schnell in den Laden geht. Das Kind solle satt sein, bestätigte sie mir. Und sauber war es auch. Glücklich und zufrieden sah es aus. Und schläfrig.

 

Alles Schein.

 

Kaum war die Mutter aus der Tür, wurde es unruhig. Anfangs war es noch ein leises Jammern und Quieken, das ich sorgfältig überhörte. Es steigerte sich. Und steigerte sich. Und als es danach noch immer nicht aufhören wollte, ging ich doch noch mal zur Wiege um das Kind herauszunehmen. Half nichts.

 

 ES schrie. Zum Erbarmen.

 

Also nahm ich ES auf den Arm und fing an Runden zu drehen. Machte beruhigende Geräusche. Streichelte den Rücken. Und tatsächlich, es wirkte. Zehn Minuten war Ruhe. Nur ein weinerliches Glucksen war ab und an zu hören. Ich dachte tatsächlich, ich hätte es geschafft.

 

Dann – brach die Hölle los.

 

ES fing an sich zu winden und machte einen Lärm – fühlte sich an wie die Rundreise eines Presslufthammers auf meinem Trommelfell. Ich zog meinen Pullover aus, weil ich gehört hatte, dass Babys Hautkontakt beruhigend finden. Zeit ihn wieder anzuziehen hatte ich nicht, denn ES war ganz und gar nicht beruhigt.

 

Ratlosigkeit. Ich legte ES in die Wiege und sah ihm beim Schreien zu. Hob ab und an den immer wieder herunterkullernden Schnuller und steckt ihn ES wieder in den Mund. Kurzes Saugen. Dann ging das Geschrei wieder los. Ich gab ihm meinen Finger – eine schmerzhafte Erfahrung, die ich nicht wiederholte. ES hörte nicht auf.

 

Also ging ich weg. Lies ES ein paar Minuten schreien. Dann, als ES wohl gerade dachte, ich komme nie mehr zurück, ging ich wieder zur Wiege, nahm es auf den Arm, steckte ihm den Schnuller die schreiende Öffnung und wiegte es hin und her. Und hin und her. Dabei übte ich immer Druck auf den Schnuller aus – warum weiß ich nicht – ES schrie dann eben nicht.

 

Hin und Her.

 

Mir taten die Arme weh.

 

Da stand ich, eine gefühlte Ewigkeit, und verrenkte mir fast den Hals um ES anzuschielen, ob ES auch wirklich ruhig blieb. Panisch schaukelte ich stärker, wenn ES nur ein klein wenig die Lider hob. Alles blieb ruhig.

 

Meine Arme brannten. Meine Beine auch.

 

Ich trippelte zur Couch. Setzte mich langsam hin. Bequem war es nicht. Schaukelbewegungen waren nicht förderlich, da sonst das Leder des Bezugs zu laut knarrte. Also konzentrierte ich mich darauf, meine Muskeln in einem gleichmäßigen Rhythmus anzuspannen und zu entspannen, um eine Schaukelbewegung zu simulieren. Es klappte. Und es schmerzte. Überall. Vor allem der Arm auf dem Babys kopf ruhte.

 

ES beobachten. ES schaukeln. Ziemlich ermüdend…

 

 

Da klingelte es an der Tür. ES’ Mutter war zurück.

 

 

 

 

Gute Nacht

von Nannu
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Saturday, 14. november 2009 6 14 /11 /Nov. /2009 01:23

 

Ich habe doch kein Helfersyndrom bloß weil ich auf dieser Seite gelandet bin und jetzt im Minutentakt Fragen von verwirrte, ratsuchenden, hilflosen Menschen beantworte. Kann mir keiner vorwerfen, auch wenn ich der alten Dame heute über die Straße geholfen und dann ihre Einkäufe zu ihr nach Hause getragen habe. Gut, ich habe dann noch ihre Blumen gegossen, weil sie da so schlecht rankommt. Na und? Das hätte doch jeder getan.

 

Und nur weil ich daheim dann das schreiende Baby genommen habe -seine Mutter kam nicht mehr damit zu Recht - muss man mich doch nicht gleich beschuldigen. Und der einen Frau, der ich mein Auto geliehen habe, weil ihres stehen geblieben war, wo sie doch gerade dringend ihre Tochter vom Handball abholen musste…. – ich bitte euch! Keine große Sache. Und dem Nachbarn, der mich gerade als ich die letzte Tüte verbacken wollte, nach einem Päckchen Mehl fragte, konnte ich es doch auch nicht abschlagen.

 

.

.

.

.

Ich glaube, ich leide weniger an einem Helfer-Syndrom. Eher bin ich am Lügner-Paradoxon erkrankt.

 

Die Hälfte der Aufzählung war geschwindelt. Die andere nicht. Doch was stimmt jetzt – und was nicht?

 

Tja, ratet mal.

von Nannu
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Monday, 9. november 2009 1 09 /11 /Nov. /2009 02:28

Mein Name ist Nhempas.

Zugegeben, einer meiner Namen. Ich bin alt, das schon – aber noch frisch, wenn ihr versteht. Trotz meines hohen Alters bin ich doch recht hurtig unterwegs. Eigentlich lebe ich ja an einem Ort, den ich selbst kaum finden kann, so verborgen ist der. Nur bin ich meist voller Energie und froher Laune, dass es mich selten dort hält und ich immerzu in der Welt und der Geschichte umherstreife. *Nun, war auch oft deshalb unterwegs, weil ich mein Heim nach dem Gezeche nicht mehr wiederfand - nebenbei*. Wie dem auch sei, ich habe viel zu erzählen. Ob ihrs nun glaubt oder nicht. Dumm wärt ihr, wenn ihrs tätet. Viel verpassen würdet ihr, tätet ihrs nicht. Die Entscheidung obliegt natürlich bei euch. Beeinflussung liegt nicht in meiner Natur, meistens nicht. Manchmal nutze ichs natürlich gern. Aber diesmal nicht. Und nehmt keinesfalls jemals eins meiner Worte als bare Münze. Aber untersteht euch, mir nicht zu glauben. Arm würds euch machen.

So wie den Mann, der mir trotz unzähliger Beteuerungen nicht glauben wollte, dass die Brücke die er doch so deutlich vor sich sah, nichts anderes war als eine Luftspiegelung und in Wahrheit befände sich dort der Abgrund der Welt. Aber nein, er wollte nicht auf mich hören und ging trotzdem hinüber. *Mag wohl daran liegen, dass ich bei eures Gleichen nicht als die ehrlichste Haut auf Seiner schönen Welt bekannt war* Es versteht sich doch von selbst, dass sich dort auch kein Abgrund befand. *Ich bitte euch, wer glaubt denn heute noch die Welt wäre eine Scheibe? Logik hat bewiesen, dass es sich bei der Erde nur um eine Melone handeln könne.* Aber am Ende der Brücke lauerten ein paar Wegelagerer und der Mann war in Kürze um ein paar Münzen leichter und einen Kopf kürzer. Traurig, aber was solls, man kann mir nicht vorwerfen, ich hätte ihn nicht gewarnt.

Genauso wie das Mädchen *Er habe sie selig*, das mich gar ignorierte, als ich es zu überzeugen versuchte, sich den Kauf der Perlenkette doch bitte genauestens zu überlegen. Ich redete ihr gut zu und wollte ihr weismachen, es handle sich dabei um eine verzauberte Klapperschlange und ihr Tod würde nahen, würde sie sich diese Kette zulegen. Aber das junge, dumme, dumme Ding beschloss stolz, meine Warnung in den Wind zu schlagen und zahlte viel zu teuer für das Kleinod, dass sie doch viel zu kurz erfreuen würde. Sie hängte sich das Schmuckstück um den Hals, trat hinaus aus der Hütte da sie es erwarb, übersah den langen Ast und erhängte sich an der guten Qualität der Kette. *Warum bloß hörte sie nicht auf mich?* Es ist ein Jammer, dass ich es immer wieder versuche und mich mit diesem Gesindel abgebe. Aber was solls, es ist doch immer wieder schön zu sehen, dass man Recht hatte.

Tut mir Leid. Über all dem Erzählen, meine Lieben, vergaß ich ganz was meine eigentliche Geschichte für heute war. Was solls, mich ruft die Welt. Muss zusehen, dass ich die Menschleins vor ihrer eigenen Dummheit warne. Solltet mal sehen, wie die lachen, wenn ich denen von Umweltkatastrophen und erschöpften Ressourcen erzähle. Die sind doch solche Narren, man mags kaum glauben. Trotz diesem, aufgeben kann ich nicht. Einmal könnte mir einer Glauben schenken. Wohl wird’s ihm gehen.

Ich habe da immer Recht.

 

Und nicht vergessen, mein Name ist Nhempas.

von Nannu
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Saturday, 7. november 2009 6 07 /11 /Nov. /2009 23:21

Sie sah ihm hinterher.

 

Beobachtete ihn, wie er immer wieder im Kreis lief und eine Runde nach der anderen absolvierte. Schweißperlen standen auf ihrer Stirn. Es war so unerträglich heiß. Wieso konnte er nicht schneller machen? Nicht einen Zahn zulegen? Aber er, er behielt sein gleichmäßiges Tempo bei. Scherte sich nicht um sie und ihre Wünsche. Ihre Wahrnehmung spielte ihr einen Streich, es sah so aus, als ob er sich noch langsamer, noch schleichender fortbewegte. Aber das konnte nicht sein. Sie kannte ihn, das würde er nicht tun. Sie ballte die Fäuste, in ihrem Magen bildete sich ein roter, schwerer Stein. Sie wollte aufstehen und schreien. Ihn anschreien. Ihm zurufen, dass er doch schneller machen sollte, dass er das nicht mit ihr machen könnte. Aber das durfte sie nicht, was würden die anderen denken? Von ihr. Nicht von ihm. Von ihr. Sie kniff die Augen fest zusammen. Vielleicht kam es ihr schneller vor wenn sie nicht so genau hinsah wie er so mühsam vorwärts kroch. Sie zählte langsam bis zehn. Ruhig bleiben, Haltung bewahren. Bloß nicht hochgehen, beschwor sie sich selbst. Dann, ..sie wagte einen Blick. Langsam breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus. Ihre Augen fingen an zu strahlen. Sie sprang auf.

 

Drei.

Zwei.

Eins.

Er hatte sein Ziel erreicht.

 

 

Endlich Feierabend

 

von Nannu
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