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Nein.
So hatte ich das sicher nicht gemeint, als ich zu der Mutter sagte sie könne ihr Kind hier bei mir lassen, während sie noch mal schnell in den Laden geht. Das Kind solle satt sein, bestätigte sie mir. Und sauber war es auch. Glücklich und zufrieden sah es aus. Und schläfrig.
Alles Schein.
Kaum war die Mutter aus der Tür, wurde es unruhig. Anfangs war es noch ein leises Jammern und Quieken, das ich sorgfältig überhörte. Es steigerte sich. Und steigerte sich. Und als es danach noch immer nicht aufhören wollte, ging ich doch noch mal zur Wiege um das Kind herauszunehmen. Half nichts.
ES schrie. Zum Erbarmen.
Also nahm ich ES auf den Arm und fing an Runden zu drehen. Machte beruhigende Geräusche. Streichelte den Rücken. Und tatsächlich, es wirkte. Zehn Minuten war Ruhe. Nur ein weinerliches Glucksen war ab und an zu hören. Ich dachte tatsächlich, ich hätte es geschafft.
Dann – brach die Hölle los.
ES fing an sich zu winden und machte einen Lärm – fühlte sich an wie die Rundreise eines Presslufthammers auf meinem Trommelfell. Ich zog meinen Pullover aus, weil ich gehört hatte, dass Babys Hautkontakt beruhigend finden. Zeit ihn wieder anzuziehen hatte ich nicht, denn ES war ganz und gar nicht beruhigt.
Ratlosigkeit. Ich legte ES in die Wiege und sah ihm beim Schreien zu. Hob ab und an den immer wieder herunterkullernden Schnuller und steckt ihn ES wieder in den Mund. Kurzes Saugen. Dann ging das Geschrei wieder los. Ich gab ihm meinen Finger – eine schmerzhafte Erfahrung, die ich nicht wiederholte. ES hörte nicht auf.
Also ging ich weg. Lies ES ein paar Minuten schreien. Dann, als ES wohl gerade dachte, ich komme nie mehr zurück, ging ich wieder zur Wiege, nahm es auf den Arm, steckte ihm den Schnuller die schreiende Öffnung und wiegte es hin und her. Und hin und her. Dabei übte ich immer Druck auf den Schnuller aus – warum weiß ich nicht – ES schrie dann eben nicht.
Hin und Her.
Mir taten die Arme weh.
Da stand ich, eine gefühlte Ewigkeit, und verrenkte mir fast den Hals um ES anzuschielen, ob ES auch wirklich ruhig blieb. Panisch schaukelte ich stärker, wenn ES nur ein klein wenig die Lider hob. Alles blieb ruhig.
Meine Arme brannten. Meine Beine auch.
Ich trippelte zur Couch. Setzte mich langsam hin. Bequem war es nicht. Schaukelbewegungen waren nicht förderlich, da sonst das Leder des Bezugs zu laut knarrte. Also konzentrierte ich mich darauf, meine Muskeln in einem gleichmäßigen Rhythmus anzuspannen und zu entspannen, um eine Schaukelbewegung zu simulieren. Es klappte. Und es schmerzte. Überall. Vor allem der Arm auf dem Babys kopf ruhte.
ES beobachten. ES schaukeln. Ziemlich ermüdend…
Da klingelte es an der Tür. ES’ Mutter war zurück.
Gute Nacht
dazu gepfiffen